Lift Off 2011

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Der Jahresbeginn 2011 sollte sich anders darstellen als alle anderen: Zum einen war da die Tatsache, dass Kathy und ich unseren Nachwuchs für Ende Februar erwarteten, zum anderen stand mein Einstieg ins Berufsleben bevor, dem allerdings der „Ausstieg aus der FH“, sprich der erfolgreiche Abschluss meines Bachelor- Studiums Mechatronik, vorrausgehen musste. So stand der Januar wie die drei Jahre zuvor im Zeichen der Prüfungen- im Gegensatz zu den drei Jahren zuvor war allerdings mit der letzten Prüfung nicht „alles erledigt“, sondern es ging in Form der Bachelor- Arbeit eigentlich „alles erst richtig los“.

Am 18. Februar kam mit Maximilian unser Nachwuchs zur Welt. Die Freude war groß, und die nächsten Wochen nach der Geburt standen ganz im Zeichen dieses kleinen Kerls, der von nun an für einige Zeit den Taktstock in der Hand haben sollte- in diesen Wochen habe ich nicht viele Gedanken ans Fischen verwendet, obwohl es in Form von „Frühprägungsversuchen“ immer präsent sein sollte und nach wie vor ist („Gell Maxi, wir schauen uns jetzt dann noch das neue Korda- Buch an…“ O- Ton- Kathy: „Wenn der so narrisch wird wie du, nehm ich mir nen Strick und häng mich auf!“).

Es sollte durch Bachelor- Arbeit und natürlich auch das Eis auf unseren Gewässern bis Ende März dauern, bis ich erstmal ernsthaft die erste „richtige“ Nacht 2011 ins Auge fassen konnte.
Ich hatte mich bewusst für ein relativ gut besetztes, und damit eher „einfaches“ Gewässer entschieden. Erstens hatte ich mir 2011 mit meinen Infinity DF noch kurz vor dem Ausklingen der Saison neue Ruten geholt, und mich mit diesen durch den relativ heftigen und spontanen Wintereinbruch Ende November 2010 nicht mehr wirklich vertraut machen können. Das wollte ich nachholen, und das geht nunmal am besten an Gewässern, die noch am ehesten Erfolge versprechen…

Bei Wassertemperaturen von um die 7°C an der Oberfläche gings das erste Mal eine Woche nach der Interfisch- Messe für mich wieder ans Wasser. Die erste Aktion war für einen Freitag Nachmittag für ein paar Stunden angesetzt. Mehr als Stuhl, Ruten, Rodpod und Rucksack hatte ich nicht am Start, und so dauerte es keine 30 Minuten, bis sich das erste Mal in der Saison 2011 wieder Schnur von den Rollen in echtes, nicht gefrorenes „Seewasser“ kringelte.stickmix
Es war ein überwältigendes Gefühl. Gefangen habe ich natürlich nichts. Die Chancen, während so einer Aktion über ein paar Stunden gleich „Fischkontakt“ zu bekommen ist gering bis nicht vorhanden- aber nichtmal wegen der Wassertemperaturen, sondern eher wegen der Tatsache, dass ich mich wieder „einfinden“ muss: Über den Winter hat meine Ausrüstung die Eigenschaft, sich zu „verselbstständigen“, nichts ist mehr da, wo es hingehört, vieles wird vergessen, und noch mehr erst nach langem Suchen gefunden. Ich mache deshalb bewusst seit 2006 solche „Übungsaktionen“ bevor es über Nacht los geht, einfach um wieder reinzukommen, und bei der ersten „richtigen“ Session, die dann meist über Nacht geht, keine groben Probleme mehr zu bekommen.

Am folgenden Tag sollte es mit den CHR- Jungs und Hansi in meine erste richtige Nacht 2011 gehen. Es wurde gegrillt, und bei einem kühlen bis kalten Bierchen die Saison willkommen geheissen. Am Ende dieser Aktion standen wir trotz acht Ruten, die wir weitläufigst im Gewässer verteilt hatten, wieder mit leeren Händen da, und auch das folgende Wochenende brachte noch keinen Fisch. Die Wassertemperaturen waren mittlerweile in der 10- 12° Region zu Hause, man konnte durch die Sonneneinstrahlung bereits Aktivitäten an der Gewässeroberfläche ausmachen. Trotzdem schweigen die Bissanzeiger- es war an der Zeit, die Stelle zu wechseln.

Eine Woche später ergab sich durch Zufall an einem Freitag nachmittag eine neue Konstellation. Martin war nicht zu erreichen, Chris im Lehrgang, und irgendwie hatte ich mich auf die erste Solo- Aktion mit Übernachtung im Auto eingestellt, als ich sich im Angelladen beim obligatorischen Kaffee- Schlürfen ein spontaner Mitstreiter finden sollte: Andreas kenne ich seit gut drei Jahren im Rahmen der Interfisch- Angelaktionen, und seit 2011 haben wir für ein Stillgewässer eine gemeinsame Karte, die wir an diesem Freitag abend erstmalig ausnutzen wollten. Zwei Stunden später sassen wir hinter unseren Ruten, und harrten der Dinge die da kommen sollten…

Ich befischte ein Stelle etwas Links unseres Standortes, und warf diese ausschliesslich mit PVA- Strümpfen und sinkenden, einzelnen Hakenködern an, die ich mit künstlichen, auftreibenden Maiskörner garniert hatte. Die zweite Rute war ebenfalls mit einem PVA- Stick versehen, und landete auf kurzer Distanz an der Uferkante. Auf den Einsatz von Boot und Echolot verzichtete ich mehr oder weniger „gezwungenermaßen“: Unser X-125 hat zur Zeit ne Macke, mal sehen, ob sich die beheben lässt. Es war also „Werfen“ angesagt, und es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht: Die Schnur wurde eingeclippt, es wurde ausgeworfen, die Länge mit einem Stück Markerbraid festgehalten, so dass ich immer in etwa das gleiche Areal traf. Und in diesem Areal „krachte“ es förmlich: Der erste Biss spielte sich in coldasiceForm eines Vollruns gegen halb acht Uhr abends ab, und ich hätte mir während des folgenden Drills vor Anspannung fast die Zunge abgebissen. Am Ende ging alles gut, und der 21er Schuppi landete im gekonnt von Futsch verwendeten Kescher. Der zweite Lauf folgte eine gute Stunde später im letzten Tageslicht, Nr. 3 liess es sich nicht nehmen, uns kurz vor dem Bettgehen zu überraschen. Nr. 4 und Nr. 5 gesellten sich in der zweiten Nachthälfte zu uns, allerdings wurde ihnen auf Grund der Tatsache, dass sie ähnliche Ausmaße wie 2 und 3 hatten ein Fototermin erspart…

Etwas leid tat mir mein neuer Kollege Andreas- ich hatte bei meiner Platzwahl einfach etwas mehr Glück gehabt als er. Schliesslich konnte er dann in den ersten Stunden des folgenden Tages noch nachlegen: Es gelang ihm eine Premiere der besonderen Art: Neues Wasser, neue Fischart, Andreas konnte einen Stör mit 1.17m bei 13 Pfund Gewicht landen. Während wir den Fisch versorgt haben, klingelte es tatsächlich auch an seiner zweiten- der rechten- Rute, und ein kleiner Spiegler rundete die Aktion ab. 16 Stunden, Riesengaudi, 7 Fische, sechs davon Karpfen, und einem Stör, der für die nötige Abwechslung sorgte- was will man eigentlich mehr zum Saisonstart?

Ok, ich gebs zu- wir wollten mehr, wir hatten Blut geleckt, endlich war es angelaufen.futsch_stoer
Wie der Mensch so ist, forderten wir auch nichtmal eine Woche später uns Glück heraus. Spontan ergab sich unter der Woche die Möglichkeit zu einem gemütlichen Abend unter Freunden, zu dem wir auch Elmar eingeladen hatten. So waren neben Markus („Catfish0700“), Elmar und meiner Wenigkeit dann auch noch Hansi (für gut zwei Stunden) und „Futsch“ präsent. Ich war noch zu Hause, als Markus mich per SMS über den Fang eines weiteren Störs informierte (1.10m), und so kam ich gutgelaunt am Wasser an, wo ich wegen meiner vom Wochenende übrigen und zwecks spontaner Verwendung gebrauchsfertig eingefrorenen PVA- Sticks prompt als „Streber“ bezeichnet wurde ;). Keine zwanzig Minuten später, ohne den üblichen „Budenzauber“ des Futteranmischens und Zeltaufbauens war alles da, wo es hingehört: Die Liege im Sharan aufgebaut, die Ruten fangbereit im Wasser, und der Hias in seinem Karpfenstuhl, den er an diesem Abend viel zu spät verlassen sollte: Am nächsten Morgen standen immerhin noch 6 Stunden in der Firma auf dem Programm, und da sollte man nicht als „nasser Sack“ antreten, zumindest nicht dauerhaft ;).
Aber wie es so ist, sind solche Abende, an denen man sich vornimmt, zeitig in die Kunstfaserfedern des Schlafsacks zu kriechen, die, an denen genau dieses Vorhaben scheitert: Bis weit nach Mitternacht haben wir uns gegenseitig angestachelt, veräppelt und einfach eine super Zeit gehabt.

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Am nächsten Morgen um 5:55 Uhr klingelte mich nicht etwa mein Wecker, sondern Karpfen Nr. 6 der Saison 2011 mit meinem Lieblingston wach- ein kurzer, aber dafür heftiger Drill über die Schnüre der Kollegen brachte einen guten 17er Schuppi auf die Matte, der ebenfalls wie die anderen Fische top gehakt war (6er Wide- Gape an ca. 22cm langem „N-Trap“ gebunden). Sechs Bisse, sechs Läufe, sechs Karpfen, eine gute Quote, die mir aktuell unglaublich hilft, dem neuen Gerät zu vertrauen, und die vor allem meine Bedenken gegenüber dem Einsatz der doch relativ harten 3.25er DF in der „Kurzdistanz“ komplett zerstreut hat…

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Auch die Mitstreiter konnten mit durchaus respektablem Ergebnissen aufwarten: Elmar hatte gegen drei Uhr morgens seinen ersten Karpfen der Saison gefangen, mit 32 Pfund gleichzeitig eines der größeren Exemplare des Gewässers, und auch Futsch war bereits erfolgreich gewesen, als er sich aus den Federn schälte um meinen Fisch anzuschauen. Markus war etwas geknickt, weil er als einziger keinen Karpfen (dafür als einziger einen Stör!) gefangen hatte, aber just als er sich darüber beschweren wollte, lief seine Rute ab. Die Stimmung war nach der Landung des Fischs an diesem Freitag morgen um halb sieben Uhr ein Traum- es fiel mir wirklich schwer, den Karpfenstuhl am Wasser gegen den Schreibtischstuhl in der Arbeit zu tauschen. Trotzdem fand ich mich auf genau diesem nach kurzer Katzenwäsche in der Umkleide und einem wirklich sinnvollen Klamottenwechsel wieder- hochmotiviert, aber etwas müde…

2011 hat also ganz gut angefangen. Machen wir uns nichts vor: Blanken gehört dazu wie das Schinkenbrot zum Schinken, aber seit gut drei Wochen läuft es wirklich an fast allen Gewässern- sofern man seine Hausaufgaben macht, und vor allem nicht zu viel füttert. Mich hat der kurzfristige, vor allem ohne Boot, Echolot und Bojen erreichte Erfolg zum Nachdenken angeregt: Vielleicht macht man sich mit eben diesen Utensilien gerade bei spontanen Aktionen über wenige Stunden oder eine „kurze Nacht“ mehr kaputt als es einem bringt. Vielleicht ist es manchmal sinnvoll, nicht sämtliche Technik immer zu nutzen, nur weil man sie zur Verfügung hat, sondern sich auch mal auf das „klassische Uferangeln“ zu beschränken und damit zu leben, dass ein Köder nicht 100% an der angepeilten Kante liegt- weil er dort nicht immer 100% liegen muss!

Für die Woche vor Ostern ist bei mir Urlaub angesagt. Nach dem Ossiacher Trip September 2010 das erste Mal seit einem guten halben Jahr mehrere zusammenhängende Tage, die ich nicht für Bachelorarbeit oder Lernen verwenden werde, bzw. die ich aller Vorraussicht nach auch nicht in der Firma verbringe ;). Ich kann jetzt wieder ein paar Blanks verkraften.
Und ich hab das Gefühl, davon werde ich bis Ostern noch das ein oder andere Mal zehren müssen- oder etwa doch nicht? 😉

Euch allen mindestens genauso viel Spaß & Erholung am Wasser!

Matthias (CarpX)

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