The Channel Challenge


Monotonie - jetzt weiß ich auch, was das bedeutet - nach 35 Stunden am Kanal auch kein Wunder... Denn schneller als eigentlich erwartet hat es mich zum ersten Mal an dieses eintönige "Stück Wasser" verschlagen, das, wie ich erfahren durfte, weder Fluss noch Stillwasser ist.

Doch zuerst einmal ein kurzer Rückblick: Alles begann in interessanten Gesprächen mit Uli, der regelmäßig an diesen "Stück Wasser" seine Gummifische die Kanten entlang jiggt, wobei hin und wieder - so erzählt er jedenfalls - sogar der ein oder andere Zander und manchmal sogar ein Rapfen hängen bleiben soll. Jedenfalls berichtete er immer wieder von springenden und rollenden Karpfen, oder auch von welchen, die er im teils überraschend klaren Wasser beobachten konnte. Dies machte mich natürlich äußerst neugierig, woraus schließlich die Idee geboren wurde, eine "Testnacht" auf die Rüsseltiere abzuhalten. Schnell war auch schon ein Termin gefunden, an dem Damian, ich und logischerweise auch Uli, Zeit hatten.

Für die Auswahl eines geeigneten Spots war selbstverständlich der Einheimische zuständig, ihm gebührt in diesem Punkt jegliche Ehre ;) Er entschied sich für einen Platz, der ihm bereits in der Vergangenheit schon den ein oder anderen Raubfisch bescherte und an dem er in regelmäßigen Abständen Karpfenkontakt hatte. Die richtige Futtertaktik sollte mein Part sein - nicht einfach, hier die richtige Menge abzuschätzen, schließlich hatte ich zugegebenermaßen kaum Informationen über das Gewässer und dessen Fischbestand. Gibt es viele Weißfische? Wie würde sich der Sog der Lastkähne auswirken? Wie dicht ist der Karpfenbestand? Fragen über Fragen...
Letztlich fiel die Entscheidung auf eine tägliche Ration von ca. 25 kg Mais und 4-5 kg gemischter Boilies und eine niedrigere Menge am letzten Tag vor dem Fischen, um unbedingt zu gewährleisten, dass wir während dieser kurzen Aktion keinesfalls auf einem Futterteppich unsere Köder auslegten. Einige Tage bevor es "ernst" wurde, wurde Uli mit der nötigen Futtermenge versorgt und kurz instruiert, was er wann ins Wasser befördern müsste. Schließlich musste ja alles seine Richtigkeit haben ;)
Danke an dieser Stelle an Simon und Holly für die Tipps rund ums Gewässer sowie natürlich an Uli, der sich die Mühe des Vorfütterns gemacht hat!

Damian und ich machten uns schon früh (zu früh?) am Morgen auf den Weg, um zur erwartungsgemäß guten Beißzeit in der Dämmerung bereits die Chance auf einen Fisch zu haben. So flogen unsere Montagen noch vor 6 Uhr an die vorbestimmten Plätze, auf weitere Aufbauaktivitäten verzichteten wir erstmals und ließen stattdessen Ruhe einkehren, um die möglicherweise schon fressenden Fische keinesfalls zu stören. Alles andere hatte also zunächst Zeit und wie starteten mit einem wohlverdienten Cappuccino in den Tag.
Als ehrlich gesagt niemand mehr von uns damit gerechnet hatte, noch in der morgendlichen Beißzeit einen Fisch verbuchen zu können, ertönte gegen 10 Uhr dann völlig unvermittelt der doch erlösende Biss an einer von Ulis Ruten, die den Randbereich des großflächigen Futterareals abdeckte - zum Vorschein kam nach flusstypischem Drill (obwohl dieses seltsame "Stück Wasser " ja quasi nicht wirklich fließt) ein schöner 16 Pfund Schuppenkarpfen. Nachdem Uli bei der letzten gemeinsamen Karpfenaktion nicht unbedingt das glücklichste Händchen hatte, traf dieser Fisch mit Sicherheit keinen Falschen. Die Freude über den "Eröffnungsfisch" war jedenfalls groß.

   

Über den Tag verteilt kristallisierte sich dann Damians Platz als wahrer Hotspot heraus, im 3-Stundentakt konnte er zunächst einen kampfstarken 19er Schuppenkarpfen, dann einen 8 Pfund Satzer und schließlich einen weiteren Schuppenkarpfen von ordentlichen 16 Pfund in den Kescher führen.

   

Damit war auch Damian fürs Erste mehr als zufrieden, was ihm auch anzusehen war! Meine Bissanzeiger schwiegen derweil weiter stumm vor sich hin, obwohl wir alle dieselben Rigs und Köder fischten. Auch Experimente mit verschiedenen Inhalten der Ködertrickkiste und PVA blieben zunächst wirkunglos. Ich konnte es nicht leugnen, ein bisschen nervös wurde ich schon, schließlich sollte es zumindest mit 1 Kanal-Karpfen klappen. Deshalb waren wir ja schließlich hier. Aber noch blieb genügend Zeit und hoffentlich auch Rat ;)
Die Nacht war für August verdammt frisch und blieb (deswegen?) ruhig, bis auf die Aktionen, die durch die vorbeifahrenden Schiffe ausgelöst wurden - das ist zugegebenermaßen nochmals eine andere "Baustelle", wenn ein 100m-Kahn quasi über die Montage fährt, und mit einem Fluss daher nicht wirklich zu vergleichen...

Geweckt wurden wir von einem Dauerton an (na klar!) Damians Ruten. Wieder hatte sich ein Fisch am Hotspot eingefunden und war in die Falle getappt. Diesmal war es ein Spiegler mit dem fast schon "Standard-Gewicht" von 16 Pfund, den wir ablichten durften.

Inzwischen war uns allen klar, dass die Fische nur in einem verdammt begrenzten Areal wirklich das Futter annahmen, so dass Uli und ich uns gezwungen sahen zu reagieren und "geeignete Maßnahmen zu ergreifen". Dumm sind wir ja nicht, wir 2 ;)
Frontalangriff hieß also die Devise für den Rest des Tages, was also bedeutete, die über 24h unproduktiven Ruten dementsprechend umzuplatzieren und an das Fressverhalten der Rüssler anzupassen. Und es sollte sich bezahlt machen, der nächste Biss kam - man glaubt es kaum - an einer meiner Ruten. Ein 17 Pfund Spiegler hatten den Selfmade-Boilie gefunden, der allerdings einen Haken hatte und ihm so zum Verhängnis wurde. Auch wenn es der einzige Fisch für mich bleiben sollte, es war ein schön Gefärbter. Und, das Wichtigste, ich hatte mein Ziel, im Kanal einen Karpfen zu fangen, erreicht.

Auch bei Uli sollten die "Anpassungsmaßnahmen" Wirkung zeigen, denn am Nachmittag bekam auch er noch einen Biss. Nachdem sich der Fisch zunächst festgesetzt hatte und nur durch einen Ausflug ins Wasser befreit werden konnte, konnte der 19er Schuppi anschließend sicher in den Kescher bugsiert werden.

    

Den Abschluss der Session bildete die Begegnung mit einer Blindschleiche, die sich sehr fotogen ablichten ließ. Das Ergebnis wollen wir euch nicht vorenthalten:


Kurzes Fazit:

Der Sog der Schiffe ist brutal und keinesfalls zu unterschätzen. Abhilfe schaffen hier richtig schwere Bleie der 300g-Klasse und die Ruten soweit möglich parallel zum Ufer zu platzieren. Zumindest tagsüber hat man immer noch die sicherste Option, die Ruten kurz einzuholen, um Hänger weitestgehend zu vermeiden. Ansonsten ist die Strömung eher gering, mal von links nach rechts, mal umgekehrt, zwar gewöhnungsbedürftig, aber nicht wirklich störend.
Für mich als leidgeprüfter Donauangler mit einer Vielzahl an Beifängen war äußerst überraschend, dass es solche nicht gab (zumindest in dem kurzen Zeitfenster, in dem wir am Wasser waren). Daran könnte man sich durchaus gewöhnen, dass, wenn es pfeift, zu 100% ein Karpfen der Übeltäter ist ;)
Beißzeiten? Scheinen quasi nicht zu existieren! Die Fische bissen fröhlich den ganzen Tag über und hielten uns dadurch hervorragend bei Laune. Nur die Nacht war wie gesagt fischlos. Natürlich muss man hinzufügen, dass dies allerdings nur eine absolute Momentaufnahme ist.
Und last but not least ist es doch immer wieder aufs Neue überraschend, wie klein Hotspots wirklich sind - es lohnt sich also immer diese zu suchen und zu finden!

In diesem Sinne, "the channel challenge" erfolgreich zu Ende geführt, Wiederholung durchaus nicht ausgeschlossen!

Martin (MEcarphunter)