baits

Kleisterkugel oder Wundermittel?
Diese Frage hat sich wohl jeder schonmal gestellt, der im Angelladen vor den prall gefüllten Regalen stand. Die Kügelchen, deren bunte, von riesigen „überlisteten“ Karpfen gezierten Verpackungen dem Käufer den letzten „Trigger“ geben sollen, zuzugreifen, entscheiden in der Tat sehr vieles- aber eben nicht alles.
Man kann sich getrost von der Propaganda der Baithersteller verabschieden, denn kein Boilie ist in der Lage, die natürliche Nahrung eines Karpfens zu ersetzen und vollwertig an deren Stelle zu treten, geschweige denn Karpfen nennenswert von ihren Zugrouten „abzulenken“.
Wir müssen also die Fische finden, nicht sie uns, und da ist ganz einfach „Location“ angesagt- lasst euch nicht veräppeln, von den diversen Geschichten in den Karpfenmedien, die euch suggerieren, dass der Boilie für euch die Arbeit macht. Das kann mit bösen Gefühlen am Ende einer Saison enden…

Auf was ist zu achten?
Kommt immer drauf an, was ihr befischt, und wie es geschehen soll. Man kann ganz grob in drei Kategorien Futter- und Füttertypen unterscheiden:
Kategorie 1 konzentriert sich das ganze Jahr auf ein oder zwei Gewässer, meist in der Nähe des Wohnortes, und will möglichst viel an Wissen & Fisch „herausschlagen“. Die Sessions werden akribisch vorbereitet, und auch mal gefüttert, wenn man gar nicht fischen will. Hier lohnt sich die Investition in gute Köder- oder das Selberrollen, je nach geplanter Intensität der Angelei. Nur durch Selberrollen, oder eben die Investition meist nicht unerheblicher Summen in wirklich gute (und damit teure!) Murmeln bringt uns zu der Qualität, die die Chance hat, sich dauerhaft im Nahrungsspektrum des Karpfens zu etablieren.
Kategorie 2 ist ein „Gewässerhopper“, und verlässt sich auf Instinkt & Fügung. Zum Anfüttern ist der Weg zu weit, die Zeit zu knapp, oder die Sessions einfach zu spontan, weil man gerade Zeit freigeschaufelt hat. Hier braucht man schnell lösliches, und damit „lockintensiveres“ Futter, das schnellen Erfolg grundsätzlich möglich macht. Im Prinzip kann man sagen, dass jeder Boilie, der zu Kategorie 1 passt, auch in Kategorie 2 gut aufgehoben ist- allerdings zeigt die Erfahrung, dass gerade die kostengünstigeren Kugeln schnell angenommen werden, dann allerdings halt auch schnell an Reiz verlieren. Unserem „Vagabunden“ ist das dann allerdings egal, denn bis dahin ist er schon längst weitergezogen…
Kategorie 3 ist der „Abkipper“, der z.B. Futterstellen an Flüssen unterhalten muss oder will, und für den 1kg Boilies „der Tropfen auf den heissen Stein“ ist. Gerade an Flüssen sind die Fische beim Köder weniger wählerisch, und so KANN man hier auf Masse anstatt auf Klasse setzen.

Diese grobe Unterteilung soll ausdrücklich NICHT darüber hinwegtäuschen, dass man beim Füttern seinen Kopf benutzen MUSS. Hirnloses Abkippen ohne Kenntnis über Bestände, bzw. ob die Fische an besagter Stelle überhaupt fressen ist keiner der genannten Kategorien zuzuordnen. Allgemein sollte „sachte, sachte“ die Devise sein- also ein langsames Herantasten an die benötigten Futtermengen. Hier gibt es leider kein Patentrezept, sondern man muss ausprobieren. Grundsätzlich macht man sich den Erfolg eher durch zu VIEL als durch zu WENIG Futter kaputt, denn wer bei der Location die Fressplätze gefunden hat, bekommt auch ohne Vorfüttern nach relativ kurzer Zeit seine Bisse. Also lieber nen Gang zurückschalten, bevor man es mit der Brechstange versucht. Es geht nicht nur um Fangbucheinträge, denn gerade der spezialisierte Angler birgt durch seine hohe „Angelintensität“ die Gefahr, Gewässer und Lebewesen darin zu überfordern. Fragen & Anregungen gibts wie immer in unserem Forum. Dort werden auch immer wieder kontroverse Grundsatzdebatten geführt, die vielschichtige Denkweisen aus verschiedenen Aspekten beinhalten. Dem Anfänger sei die Lektüre aber nur dann empfohlen, wenn er im „Hinterkopf“ bereits eine grobe Vorgehensweise hat, sonst gibts mehr Verwirrung als Erleuchtung…

>>>Boilies
drytray2 Selfmades: Seit 2006 rollen wir unsere eigenen Kugeln, deren Grundrezept wir 2005 sozusagen „geschenkt“ bekommen haben (Grüße an Flo ;)). Im Laufe der Jahre haben wir ein kleines bisschen an dem sehr guten Grundrezept gefeilt, um die Murmeln an unsere Bedürfnisse und Gewässer anzupassen. Unsere Kugel ist in Sachen Geschmacksträger seit 2006 unverändert, lediglich an Löslichkeit und Härte haben wir ein bisschen experimentiert.
Seit 2008 stellen wir durch „Microwaven“ separate Hakenköder her, die uns in Sachen Löslichkeit einen kleinen Vorteil gegenüber der gekochten Version verschaffen sollen, da der Köder nicht mit Kochwasser in Kontakt kommt, und dann beim Fischen sozusagen noch „jungfräulich“ ist.
95% unserer jährlichen 100kg- Ration werden allerdings herkömmlich gekocht und fangen, als Hakenköder verwendet, natürlich auch ihre Fische- aber Glaube versetzt ja bekanntlich Berge ;).

Erwähnenswert ist, neben dem über die Jahre gewachsenen, schier unerschütterbaren Vertrauen in unsere Kugeln, die Tatsache, dass wir ohne jegliche Chemie, also ohne Flavour, Sweetener oder Konservierungsmittel arbeiten. Die Murmeln werden nach der Herstellung gut durchgetrocknet, und anschliessend in Eimern eingesalzen, wo sie bisher ohne Probleme ein Jahr durchgehalten und immer noch Fische gefangen haben.
Leider haben auch wir mit unseren Selfmades- bei allem Vertrauen- nicht den immer fängigen Köder gefunden. Auch wenn die Kugeln einen großen Teil unserer Fische fangen, haben wir in Fliessgewässern bisher seltsamerweise eher negative Erfahrungen gemacht.

>>>Grundfutter/ Stickmix
stickmixVorwiegend im Frühjahr werfen wir kaum eine Montage ohne PVA- Stick/ Bag aus. Vor allem für den Stickmix verwenden wir gerne eine Mischung aus den Mehlen & Gewürzen, wie sie auch in unseren Boilies enthalten sind, also Birdfood, Robin Red, Milchpulver und Fischmehl.
Mit Eiern angemischt ergibt sich eine zähe, klebrige Masse, die gut am und lange am Method- Blei haftet, mit Wasser angemischt kann man Ballen formen, und hat so ein lösliches, kaum sättigendes Anfutter, das man entweder im PVA- Stick unmittelbar am Hakenköder anbietet, oder vom Boot aus in Ballen auf dem Futterplatz verteilt.
Je nach Jahreszeit und sonstigen Gegebenheiten werden noch Partikel wie Mais, Tigernüsse und Hanf oder Geschmacksträger wie Thunfischstückchen, gecrushte Boilies und Micropellets hinzugefügt- der Fantasie sind schlichtweg keine Grenzen gesetzt!

>>>Partikel
Mais, Hanf, Weizen, Tigernüsse & Co. sind meist günstig und in großen Mengen verfügbar. So ist man als Angler dazu geneigt, dieses günstige Futter immer und überall in großen Ladungen einzusetzen, aber das ist mit Vorsicht zu geniessen: 2007 haben wir nach einer 6- wöchigen Futterkampagne einen massiven Einbruch der Fänge erlebt, ein paar Wochen später war der Platz nach „versöhnlichem“ Füttern ausschliesslich mit Boilies wieder produktiv. Daran änderte auch wieder „sachte“ beigefütterter Mais nichts, es ist steht also auch hier die Frage nach der Dosierung im Raum!
mais Mais: Auf Grundlage von Mais ziehen wir unsere Futterkampagnen im Fluss auf. In der Anfangsphase der Etablierung eines Futterplatzes chauffieren wir beachtliche Mengen an die betreffenden Stellen, und reduzieren den Maisanteil nach und nach auf ein Minimum. Früher haben wir die gelben Körner vom Futtermittelhandel bezogen, mittlerweile haben wir durch unsere „Lagergaragen“ die Möglichkeit, größere Mengen direkt vom Bauern abzunehmen und dann zu bunkern.
Mais verwenden wir sowohl gekocht als auch gequollen, gekochter und ca. 3 Tage vergorener Mais hat definitiv die höhere Lockwirkung, während der auschließlich gequollene von den wirklich kleinen Weissfischen nicht gefressen werden kann und so ein kleines Bisschen in die Richtung Selektivität geht.
Achtung an Gewässern, die Graskarpfen beherbergen, Mais ist fast ein Garant dafür, dass die Asiaten den Futterplatz „überrennen“…
tigernuesseTigernüsse (10- 16mm): Ein anfangs von uns sträflich missachteter Köder, mittlerweile allerdings fest im Partikelmix integriert. Wir bereiten die Tigers zu, indem wir sie mindestens 24 Stunden im Wasser quellen lassen, und dann für ca. 40 Min. abkochen- das Abkochen ist WICHTIG, da dadurch Inhaltsstoffe in den Nüssen neutralisiert werden, die den Karpfen schädigen würden. Anschließend lässt man die Nüsse weitere zwei bis drei Tage im Kochwasser ziehen, bis sich eine schleimige Konsistenz gebildet hat- damit sind die Tigers fertig zum Einsatz.
Wer die schleimige Konsistenz nicht schafft, kann beim Kochen Zucker zugeben, und sollte kein (gechlortes) Leitungswasser verwenden, sondern Wasser aus nem Grundwasserbrunnen oder einem See.
Durch ihre Härte sind Tigernüsse sehr zuverlässige Hakenköder, allerdings haben wir auch schon größere Brachsen auf sie gefangen- die Selektivität ist also auch nicht besser oder schlechter als die von Boilies, dafür sind sie „krebsbeständiger“.
hanfHanf: Der Fischmagnet schlechthin, wenn auch wenig selektiv. Während der Etablierungsphase eines Futterplatzes nahezu „unverzichtbar“.
Hanf sollte man ebenfalls vor der Verwendung kurz (~30 Min.) aufkochen, und dann zügig verbrauchen. Die Körner enthalten sehr viel Fett/ Öl, und wenn das ranzig wird, wird aus der Lock- eine Scheuchwirkung.
Nahezu unverzichtbarer Bestandteil im Stickmix, in der Strömung allerdings nur in Grundfutterballen sinnvoll zu gebrauchen, da die leichten Hanfkörner wohl lange Zeit brauchen um den Grund zu erreichen, und dort wohl auch nicht lange verweilen können…

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