Balaton 2015: Tales from the middle of nowhere, Vol. I

Mit ein paar Tagen Abstand dürfen wir euch den ersten Teil unserer Balaton- Berichterstattung präsentieren. In einzelnen „Folgen“ gibt es Infos, wie es uns an den Plattensee verschlagen hat, wie wir dort vorgegangen sind, was wir gefangen haben, und welches Resümee wir ziehen.
Den Titel für diese Artikelserie, die wir euch hier in den nächsten Tagen präsentieren wollen, habe ich geklaut: Ex- Oasis- Songwriter Noel Gallagher (oder einer seiner „Ghostwriter“) gibt unter der exakt gleichen Überschrift seine Tour- Erlebnisse zum Besten. Irgendwie gefällt mir in unserem Zusammenhang unserer „Tour“ vor allem das „nowhere“. Gerade in der Vorbereitungsphase haben wir uns oft gefühlt, als würden wir uns irgendwo im Nirgendwo befinden. Zum einen, weil man sich an diesem gigantischen Süßwassermeer in der Tat ziemlich verloren vorkommt, und zum anderen, weil Informationen über die Angelmodalitäten am Plattensee sehr dünn gesät sind. Aber fangen wir am Anfang an…

relaxing

Urlaub am Ossiacher See

Als wir 2012 von einer im Vergleich zu den beiden Vorjahren sehr ernüchternden Session vom Ossiacher See zurückkamen, waren wir ziemlich sicher, dass 2013 ein anderes Ziel auf dem Plan stehen sollte. Unter anderem war damals, im Spätherbst 2012, der Plattensee ein Hauptthema in unseren Überlegungen. Was uns dann aber aus vertrauenswürdiger Quelle zu Ohren kam, war alles andere als positiv:
Um es kurz zu machen war alles verboten, was das moderne Karpfenangeln ausmacht, und man riskiere seine Ausrüstung und massiven Ärger, wenn man sich über Regeln hinwegsetzen würde.
Letzteres ist für uns ohnehin keine Option. Wir wollen einen stressfreien AngelURLAUB haben, bei dem wir keinem auf die Füße steigen, und umgekehrt uns keiner auf die Füße steigt bzw. steigen kann.
Damals fiel der Balaton genau aus diesen Gründen durchs Raster, aber nicht ohne dass wir ihn im Hinterkopf behielten: Eines Tages, so das Credo, wollten wir unsere Ruten in diesem See auslegen und dieses Gewässer beangeln.

Ein paar Jahre später, genauer gesagt 2015, sollte es dann tatsächlich so weit seit…

Die Planung
Vor die Erfüllung unserer Wünsche hatten die Götter den Schweiß und vor allem den Ärger gesetzt.
Im März/ April 2015 glühten die Tastaturen: Martin hatte eine mehrseitige Liste mit Gewässer- Steckbriefen recherchiert, die wir nach und nach abarbeiteten, und dabei teils seltsame Bestimmungen erfuhren: An einigen Gewässern darf man z.B. nur von Donnerstag bis Sonntag auf unsere gelben Freunde Angeln. Sprich, wenn man eine Urlaubsreise plant, hat man Montag bis Mittwoch Angelfrei, ob man will oder nicht. Und wenn dann zum Wochenende wirkliche ALLE- also Badegäste, Segler und sonstige Freizeitkapitänen- wieder am See sind, dürfen wir auch mit dazu. Super, ein wahrer Traum…

Zwischen den Zeilen gelesen...

Zwischen den Zeilen gelesen…

Dazu kam ein teilweise heillose Durcheinander auf den als „Info- Seiten“ angepriesenen Homepages. Plätze, die zwar eingetragen sind, aber die man dann doch nicht buchen kann, sämtliche Regeln, Bestimmungen- kurzum alles Interessante- sind in der jeweiligen Landessprache abgefasst, ohne die Möglichkeit auf Englisch umschalten zu können. So haben wir gelernt, dass der Standart, Infos für möglichst viele Nationen mittels übersetzten Texten anzubieten eher ein deutsches Merkmal ist, und mit der EU und deren Richtlinien erstmal gar nichts zu tun hat. Man könnte sich nun die Frage stellen, warum es bei uns die Formulare für die Fischerprüfung in allen möglichen Übersetzungen gibt, während man im Europäischen Ausland nichtmal in der Lage ist, auf englische E- Mails dann auch Englisch zu antworten. Bei der Antwort auf diese Frage müsste man dann wohl 70- 80 Jahre in der Zeit zurückreisen…

Wir hatten also, bedingt durch die schlechte Informationslage, diverse solcher Iterationsschritte: Gewässer gesucht- Bestimmungen geprüft- durch Nachfragen verifiziert- bei Bedarf in Sachen Nachtangelzonen usw. nochmal recherchiert- Rückmeldung erhalten- Übersetzungschaos entwirrt- verworfen.
So sind uns im Prinzip zwischen März und Mai die Wochen nur so zwischen den Händen zerronnen, ein Rückschlag folgte dem nächsten. Acht Wochen nach unserem ersten Treffen im März hatten wir nichts außer Zeit verschossen.

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Die Angeldokumente

Bis wir eines Tages durch einen Zufall an unseren Balaton- Kontakt kamen. Und siehe da, ganz plötzlich war alles ganz einfach. Innerhalb weniger Tage hatten wir die Antworten auf unsere Fragen, was die Bestimmungen betrifft, und dann auch schon den Platz gebucht. Ende Juni 2015 war die Reise unter Dach und Fach. Von diesem Moment wurden wir alle beinahe täglich von Gedanken an den Plattensee, seine Bewohner und unsere bevorstehende Reise dorthin begleitet…

 

Das Ziel
Die nötigen – statistischen- Informationen über dieses Süßwassermeer im Westen Ungarns kann man dem zugehörigen Eintrag bei Wikipedia entnehmen. Uns hat vor allem die enorme Ausdehnung von 594 Quadratkilometern fasziniert- wir sprechen hier von 59 400 ha! Zum Vergleich: Der komplette Landkreis Regensburg hat eine Fläche von knapp 1.392 Quadratkilometern- 42% des Landkreises Regensburg wäre damit „Seengebiet“…

Quelle: NASA Landsat 7

Quelle: NASA Landsat 7

Was begann, war eine schier unendliche Zeit des Wartens. Gute drei Monate lagen noch zwischen uns und den 9 Tagen am Plattensee. Wie das so bei neuen Gewässern ist, freut man sich wie Bolle auf den Moment, in dem das Camp steht, die Ruten im Wasser sind, und sowas wie der „Urlaub“ beginnt. Wenn es sich dann bei diesem Gewässer noch zufällig um den größten See Mitteleuropas handelt, ist man schon irgendwie „überdurchschnittlich“ aufgeregt- um nicht zu sagen, uns ist in den drei Wochen zuvor schon fast der Hintern geplatzt…

Weiter gehts in Teil II:
Die Ankunft
Erste Schritte auf neuem Terrain
Tackle, Tactics & Tipps
Der erste Fisch…

CarpX

CarpX

Karpfenangler, Mechatronik- Ingenieur und Computerbegeisterter. Manchmal etwas cholerisch, meist aber lieb und umgänglich ;)

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