Simon Achhammer: Friedfischangeln

Der Winter ist bekanntlich für jeden Angler eine harte Zeit. Entweder erschweren Eis, Schnee und Kälte unser Hobby, oder die einsetzende Schneeschmelze lassen uns erst gar nicht ans Angeln denken. Und so blickt man zuhause im Warmen auf die letzte Saison zurück und bereitet sich ausgiebig auf die Neue vor. Ein Angeltag war mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein ganz untypischer für mich. Denn unser Carp- und Raubfisch-Crack Martin brachte mir, eingefleischter Stippangler durch und durch, das moderne Karpfenangeln näher. Bei diesem gelungenem Trip kam uns auch die Idee mit diesem Bericht, denn wir erkannten sehr große Parallelen zwischen unseren Angelarten und jeder konnte wieder etwas vom anderen lernen und sich dadurch weiterentwickeln. Natürlich wollen wir euch diese nicht vorenthalten und so werde ich in den nächsten Zeilen versuchen, euch meine Art des Angelns etwas näher zu bringen.

Das moderne Friedfisch-Angeln

feedern

Wenn ich vom modernen Friedfischangeln spreche, dann meine ich damit die Methoden des Stippens, des Matchfischen und des Feederfischens. Letztere kennt sicherlich ein jeder von euch. Eigentlich eine relativ einfache Methode, man nehme ein besondere Rute mit sensibler Spitze, montiert einen Futterkorb und legt die ganze Montage auf Grund. Soweit klingt das recht einfach,  aber wenn dann noch weitere Faktoren wie Wurfdistanzen bis zu 100m und große Fische wie Brassen und Barben hinzukommen, dann wird das ganze ziemlich anspruchsvoll. Diese Methode ist noch relativ jung, aber hat sich in den letzten Jahren sehr rasant weiterentwickelt und auch verbreitet. Das Matchangeln ist dagegen nicht so sehr verbreitet, denn der Umgang  mit Waggler, Zoomer und Co erfordert schon etwas an Übung. Einmal erlernt ist es aber auch hier ein leichtes, schöne Fische am leichten Gerät zu drillen. Das Stippen schließlich ist die Königsdisziplin von allen dreien. Mit Ruten von 13m und mehr wird an feinsten Montagen alles überlistet, was Flossen hat. Wer aber jetzt denkt, das ist nur was für kleine Fische, der irrt gewaltig. Mit der richtigen Ausrüstungen sind Karpfen aller Größen locker zu bändigen, wie die Engländer aus dem Mutterland des Angelns eindrucksvoll beweisen. Nun soweit zur Theorie, jetzt kommt das interessante:
Die Praxis

xxl-rotfeder

browning-futter

Der zentrale Punkt, auf dem alle Angelarten basieren ist das Lockfutter. Jeder von uns versucht auf irgendeine Art und Weise seinen Zielfisch anzulocken und ihn durch ausgeklügelte Rezepturen und geheime Zutaten zum Anbiss zu verleiten.
Ich muss ganz ehrlich sein, dass ich bis vor kurzen auch ein solcher „Futter-Freak“ war, bis ich im letzten Jahr die Ehre hatte mit Bob Nudd, dem 11fachen Weltmeister im Friedfischangeln und der Ikone schlechthin dieses Sports, zu angeln.
Und er meinte so ganz nebenbei zu mir: „Don´t think so much of your Groundbait, it´s just a carrier. Think more of your baits and your presentation.“ Ok, an diesen Gedanken musste ich mich erst gewöhnen. Aber je mehr ich darüber nachdachte, umso einleuchtender war das für mich. Wenn ich jetzt losgehe, dann passe ich mein Futter nur noch dem Gewässer an und zwar in Bindung, Farbe und Struktur. Die geheime Zutat werdet ihr bei mir jedoch vergeblich suchen. Meine Grundbestandteile bilden immer die Fertigfuttersorten aus dem Hause Browning.

Aber auch jeder andere Hersteller hat sehr gute Futtersorten im Programm. Worauf ihr aber unbedingt achten solltet, ist die Qualität der Ware. Nur gute und frische Ware wird euch Fische fangen lassen. So wähle ich für einen See mit vielen Rotaugen und Brassen eine relativ leichte und feine Mischung und peppe diese mit Hanf, dem Rotaugen-Killer schlechthin und Waffelmehl für etwas mehr  Bindung auf. Damit steuere ich dann genau, wie sich mein Futter  unter Wasser verhält. Und darauf sollten sich auch Karpfenangler mal etwas genauer einlassen, denn ist es nicht denkbar, dass die Karpfen am Grund auch genau unterscheiden können, ob sich der Boilie nun natürlich dem Boden anpasst, oder unnatürlich rumliegt, weil er vielleicht etwas zu leicht ist?! Wer sich etwas genauer für das Thema Futter und seine Zusätze interessiert, dem empfehle ich diverse Artikel von einschlägigen Angelzeitschriften, denn darüber kann man mehrere Bücher füllen.
Weitere gute Zusätze, die ich gerne verwende sind gewöhnliche Maulwurfserde, sie verleiht dem Futter genügend Bindung, wie sie im Fluss benötigt wird und sättigt den Fisch nicht, was besonders im Winter wichtig ist. Aber auch Wolkenbildner finden viel Verwendung bei mir. Und dabei ist mir aufgefallen, dass ausgerechnet große Fische wie Karpfen und Brassen auf eine Wolke im Wasser reagieren. Bei klarem Wasser ist die Farbe gelb unschlagbar, rot spielt seine Stärken beim trübem Wasser aus. Wichtig ist dabei, dass diese lange genug im Wasser steht, was nur durch regelmäßiges Nachfüttern erreicht werden kann. Dieses Nachfüttern führt auch dazu, dass regelmäßig ein Geräusch erzeugt wird, was sich positiv auf die Fische auswirken kann, aber nicht unbedingt muss. Ich denke, dass dieser Punkt auch dem Karpfenangler noch unbekannte Möglichkeiten zum experimentieren bieten kann, besonders in Wassertiefen bis 4m und in den frühen Monaten des Jahres nach dem harten Winter reagieren die Fische gut darauf.

babycarp

Sind nun die Fische durch den richtigen Einsatz von Futter und Zusätzen auf den Platz gelockt, muss ich jetzt versuchen sie auch dort zu halten. Meines Erachtens gibt es da nur eine Möglichkeit: Proteine, Proteine und noch mehr Proteine. Dabei sind der Phantasie des Anglers keine Grenzen gesetzt. Normalerweise finden sich in meinen Köderboxen immer Maden, Caster ( verpuppte Maden ), Würmer, Mais, Pinkies, Hanf und manchmal auch Pellets. Und von jeder Sorte nicht zu wenig. Denn fällt in der Donau ein hungriger Brachsenschwarm über den Platz her, werden auf vier Stunden Angelzeit locker mal 1 Liter Maden und mehrere Dosen Mais von den Fischen verputzt. Dabei achte ich auch wie schon beim Grundfutter auf eine gute Qualität. Denn wer hier spart, spart genau am falschen Ende und geht auch die Gefahr ein, den Fisch unnötig zu schädigen. Denn auch bei Fische können verdorbene oder schlechte Köder zu Verdauungsproblemen führen.

mais_maden

 

Sind die Fische einmal auf den Geschmack gekommen, gibt es meistens kein Halten mehr. Außer ein ungebetener Gast hat ebenfalls den reich gedeckten Tisch entdeckt. Er interessiert sich aber nicht für die Köder sondern für die anderen Fische.
Ich meine natürlich gefräßige Räuber wie Hecht, Zander und Co. Denn wo die Rotaugen dicht an dicht stehen, da sind auch diese Gesellen nicht mehr weit. Ich habe schon viele Varianten versucht, diese wieder los zu werden, vom Schießen von Steinen oder durch verschiedene Geruchshämmer im Futter. Aber so richtig hat das nie funktioniert. Dafür hat mir mal wieder der Martin ein anderes probates Mittel gezeigt: Wegfangen!
Hätte ich ja eigentlich selber draufkommen können. Aber nun habe ich meistens eine stärkere Rute im Futteral liegen und kann nun auf ordentliche Räuber aus dem letzten Jahr zurückblicken. Und das als absolut unerfahrener Raubfischangler, wie ich einer bin. Es ist absolut erstaunlich, was da für Kaliber in Gewässern umher schwimmen, von denen viele andere Angler sagen, dass sie völlig fischleer sind…
Und schon ist wieder Ruhe am Futterplatz und das Fangen kann weitergehen, meistens – manchmal gibt es jedoch Situationen, da läuft es nicht so rund, wie es sollte. So wird nur jeder vierte oder fünfte Biss gehakt, oder es gibt überhaupt keine Bisse. Meistens liegt dies jedoch nicht daran, dass keine Fische am Platz sind, sondern man muss sich dann auf den Hosenboden setzen und versuchen seine Taktik dem Fisch anzupassen. Wer stur auf seinem Handeln verharrt und nicht flexibel ist, der wird auf lange Sicht nicht sehr erfolgreich sein. Dabei gibt es tausend verschiedene Möglichkeiten, aber man sollte sich auch hier folgendes ins Gedächtnis rufen: Fische sind wilde Individuen und schon eine Made, die nicht natürlich durchs Wasser trudelt, kann ihr Misstrauen erwecken. Was jedoch noch mehr überwiegt, ist der Erfahrungsschatz und das Feingefühl des Anglers, der hinter der Rute sitzt. Deshalb bin ich in der Saison und wenn es meine Zeit zulässt 2 bis 3 mal die Woche am Wasser, um mich auf Veränderungen in Wettkämpfen schnell einstellen zu können.

Mit diesen Zeilen hoffe ich auch einen kleinen Einblick in meine Leidenschaft, das Friedfischangeln, geben zu können und ihr den einen oder anderen Gedanken auch in euer Vorgehen mit einbinden könnt. Somit war es das erstmals von meiner Seite, vielleicht gibt es ja in Zukunft mal wieder was von der Friedfischfront, mal sehen was dem Martin und mir noch so alles einfällt! 😉 Und was dabei sonst noch alles bei rauskommt, wenn ein Friedfisch-Crack mit einem Karpfen-Freak loszieht seht ihr an dem letzten Foto: Mein bisher schwerster Carp von 11,5 Kilo gefangen unter der Anleitung eines Könners! Besten Dank nochmal auf diesem Wege an Martin!

23er

Auf diesem Wege wünsch ich euch allen eine schöne und erfolgreiche Saison 2011, vielleicht treff ich den einen oder anderen von euch mal am Wasser.

Bis dahin nur Dicke
Simon

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.